Akzeptanz als Brücke zur Normalität

Wir alle tragen unser Schicksal mehr oder weniger geduldig ...

Einer der 70 psychisch Kranken, die im Wohnheim Hacienda in der Wingertstraße leben, fragte mich: »Warum muss ich, als einziger unter den Brüdern, darunter leiden?« Ich spürte seine Trauer, seine Hilflosigkeit, aus seiner ihn begrenzenden Psyche herauszutreten. Einige der Heimbewohner, die ich seit Jahren kenne und schätze, haben mir von Problemen durch ihre Andersartigkeit erzählt. Ich weiß um ihre Furcht vor der »Anderwelt«, vor der Ausgrenzung. Denn ihnen begegnen immer wieder sie verletzende Vorurteile, wenn sie scheinbar »Gesunden« auf Straße oder in Geschäften begegnen.

Ehrlich gefragt: Haben wir sie als »normale« Bürgerinnen und Bürger - oder als Mitglieder unserer Gemeinde angenommen? Sie brauchen unsere Akzeptanz als Brücke zur Normalität, damit sie sich nicht nur auf das Heim - das zur Begegnung einlädt - und den schönen Garten begrenzen müssen.

Es mag sein, dass einige von ihnen irritiert auf die Reize von außen oder unser Verhalten reagieren. Es mag den Anschein haben, dass wir ihre Welt kaum verstehen können. Auch ich kenne die Wechselwirkung von Gedanken und Gefühlen, wenn ich ihnen begegne - bei Gesprächen im Café Pinel, bei ökumenischen Andachten oder Festlichkeiten. Auch ich finde nicht immer den richtigen Ton bei den Heimbewohnern, deren Leben oft in Tragik und Isolation verstrickt ist. Wenn sie sich mir anvertrauen, dann eröffnet sich für mich eine wundersame Nähe.

Ihre »Innenwelten« haben uns Künstlerinnen und Künstler in der letzten Sommerkirche präsentiert - mit beachtenswerter Kreativität und Freude am Schaffen. Ihre Werke haben mich und viele andere nicht unberührt gelassen. Das tat den Künstlern gut.

Die Realität der Kommune fließt, krankheitsbedingt, teilweise an den Heimbewohnern vorbei. Ich wünsche mir, sie würden niemals von unserem Verständnis für ihre Andersartigkeit ausgegrenzt sein, sondern als ein Teil der Gemeinschaft gelten. Haben sie doch Anspruch auf Respekt und Toleranz, frei von jeglichen Vorurteilen - auch wenn sie sich in einer anderen Wirklichkeit befinden.

Sigrid Gross, Maintal-Dörnigheim

Bericht von der
»Tafel für Toleranz« 2013

»Tafel für Toleranz« am 23. Juni misst 86 Meter

 

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